ThüTZ -Thüringer Trauma Netzwerk

News

Newsletter 1/2005

Newsletter 1/05

Liebe Netzwerkmitglieder,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Leserinnen und Leser,

im ersten ThüTZ-Newsletter begrüße ich Sie – gemeinsam mit meiner Co-Leiterin Frau Dr. Alina Wilms – sehr herzlich anläßlich der Freischaltung der neuen Homepage des Thüringer Traumanetzwerk-Zentrums Rohr-Erfurt und dem damit verbundenen Schritt in die breitere Öffentlichkeit.

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem ThüTZ, das ich vor wenigen Jahren – genau im Jahre 1999 - gegründet habe? Einiges zum Konzept und zu den Zielen und Leistungen des ThüTZ finden Sie auf der Homepage. Ich möchte Ihnen hier kurz meine Gründungsmotive schildern und anschließend etwas zu den Zielen des Newsletter anmerken:

Das Schulmassaker vor fast genau drei Jahren am Erfurter Johannes-Gutenberg-Gymnasium oder die kriminellen Machenschaften in Kinderpornoringen in Thüringen wie in anderen Bundesländern sind nur die Spitze eines Eisberges der physischen und psychischen Gewalt an Kindern und Jugendlichen, aber auch an ihren Eltern, Erziehern und Lehrern.

Viele von ihnen hatte ich – und habe ich noch immer – in meiner Praxis.

Als ich Jens Becker, dem Autor und Herausgeber des soeben erschienenen Buches „Kurzschluß – Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach“ (Hamburg Berlin: Schwartzkopff Buchwerke 2005), meine persönlichen Erlebnisse beim Einsatz in Erfurt schilderte („Kinder stören“, SS. 159 – 181), erinnerte ich mich an das hohe Engagement der einzelnen Einsatzkräfte. Und zugleich an die manchmal chaotischen Zustände in der Zusammenarbeit von Fachkräften und Hilfspersonen.

Diese Erfahrungen bestärkten mich in meinen Bemühungen, das ThüTZ umso schneller und effektiver und vor allem auch effizient genug auszubauen.

Zu den Zielsetzungen des ThüTZ gehört einerseits das Angebot von tief gestaffelten und differenzierten Aus- und Weiterbildungensmodulen in spezifischen Fragen der Psychotraumatherapie und –hilfe - für ärztliche und psychologische Therapeutinnen und Therapeuten, Eltern, Erzieher/innen, Lehrkräfte und Helfer/innen (Polizei, Feuerwehr, Rettungspersonal u.a.m.

Andererseits: Traumaarbeit ist Netzwerkarbeit.

Deshalb bedeutet Auf- und Ausbau eines Traumanetzwerkes vor allem Auf- und Ausbau von lokalen und regionalen Netzwerkstrukturen, in denen sich das Engagement und das fachliche Können des Einzelnen mit dem Einsatzwillen und den Kompetenzen der vielen anderen begegnen können.

Die fachkundigen therapeutischen und helfenden Potentiale sind auch in Thüringen trotz ständiger Bemühungen der Verantwortlichen noch immer zu dünn gesät. Vor allem, wenn es um traumatisierte Kinder geht. Hier wird ThüTZ schon bald sehr spezifische zertifizierte Aus- und Weiterbildungsangebote für ganz verschiedene Zielgruppen ausschreiben: für Psychotherapeuten und Ärzte, für Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte, für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Weißen Rings, der Kriseninterventionsdienste, der Rettungsstellen, der Feuerwehr und der Polizei ebenso wie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Versorgungsämtern, Sozialämtern, Frauenhäusern, Trägern der Familienhilfe und Jugendämtern.

Wir werden in den folgenden Newsletters ausführlich darüber berichten. Außerdem finden Sie erste entsprechende Hinweise in Zukunft immer auch unter der Rubrik „News“.

Die in Thüringen besonders geringe Angebotsdichte für fachkundige Behandlung und Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche – aber auch für Erwachsene – erklärt sich auch aus der oft nicht gewollten Wahrnehmung von psychischen Traumatisierungen in der ehemaligen DDR. Das erklärt mit die teilweise erschreckend langen Wartezeiten im ambulanten Bereich. Und da sich hinter jedem Suizid in der Regel ein psychotraumatischer Prozeß verbirgt, ist die Tatsache besonders ernstzunehmen, daß bei Kindern Suizid die zweithäufigste Todesursache ist. Es besteht also Handlungszwang.

Zu diesem Handeln gehört auch der Aufbau eines Forums – des sog. ThüTZ-FORUMs. Auf dieser real-räumlichen wie medialen Plattform werden sich in Zukunft Menschen begegnen, die durch ihr Engagement selbst aktiv etwas bewirken wollen und dafür einen „kollektiven Verstärker“ suchen. Ziel des ThüTZ-Forums ist es deshalb in erster Linie, die lokalen und regionalen gesundheits- und bildungspolitischen Aktivitäten des ThüTZ und seiner Mitglieder und Freunde nachhaltig zu unterstützen und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Nur durch breite Meinungsänderungen in der kommunalen und regionalen Öffentlichkeit läßt sich politisch etwas bewirken – vor allem bei den Politikern, die dieselbe Meinung vertreten, denen aber die Mehrheiten fehlen.

Wie sich der Aufbau des Netzwerkes gestalten wird, werden wir sehen. Je mehr Ideen Sie selbst mit in die Waagschale werfen, um so schneller werden wir mit unseren Bemühungen vorankommen. Ich lade Sie deshalb herzlich ein, sich am Aufbau eines wirkungsvollen Netzwerkes zu beteiligen – über das Kontaktangebot auf der Website oder durch E-mails. Vermutlich wird es am Anfang noch ein paar holprige Schritte geben. Wir bitte deshalb schon jetzt um Ihre konstruktive Kritik und zugleich um etwas Nachsicht, wenn nicht alles so läuft, wie Sie es sich wünschen.

Wir werden den Newsletter, der - wie alle Aktivitäten des ThüTZ – von den beiden Partnern AGW Akademie Gesellschaft und Wissenschaft (Bad Harzburg) und HYPERTEXXT Institut für qualitatives Wissensmanagement (Berlin) - mit betreut wird, in zunächst unregelmäßigen Abständen herausbringen – aber vor allem immer dann, wenn wichtige Neuigkeiten etwas ausführlicher behandelt werden müssen. Für Einzelfragen kann auch das Internet-Forum genutzt werden. Auch das wird sich allmählich einspielen.

Ich wünsche Ihnen und uns ein erfolgreiches gemeinsames Unternehmen ThüTZ! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.

Herzliche Grüße
– vor allem auch im Namen meiner ThüTZ-Co-Leiterin Frau Dr. Alina Wilms

Gabriele Kluwe-Schleberger
Sprecherin des ThüTZ
23. Mai 2005

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Stand: 26.01.12